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Elefantencamp in den Ferien – worauf ist zu achten?

Wir möchten während unserem Urlaub ein Elefantencamp besuchen, doch wie erkennen Wir vor einem Besuch, welche Camps gut mit den Tieren umgehen?

Solche und andere Fragen zum Thema Elefanten im Tourismus erreichen mich immer wieder. Kein Wunder, schliesslich will niemand absichtlich ein Elefantencamp unterstützen, welches die Tiere nicht artgerecht haltet.
Doch wie kann ich VOR EINER BUCHUNG feststellen, welche Elefantencamps ich in Thailand, Laos, Vietnam, Myanmar etc. mit gutem Gewissen besuchen kann?

Ich beschäftige mich mittlerweile seit über einem Jahr intensiv mit dem Thema Elefanten im Tourismus, lebe u.a. mit Elefanten in Thailand zusammen, lerne viel über die Erziehung und das Training dieser Tiere. Ich begleitete Wildhüter im Jungle bei Ihrer Arbeit, sprach mit Wilderern, mit Tierschützern und Forschern, die sich auf Elefanten spezialisiert haben.

Ich habe während meiner Recherche Zugang zu Menschen erhalten, die mir von Unterwerfungsprozeduren in den Wäldern zwischen Thailand und Myanmar berichtet haben.
In diesen Lagern wird ein Jungtier in der Regel für mehrere Tage angebunden und brutal geschlagen, mit Feuer vor seinen Augen gefuchtelt (Elefanten hassen Feuer) und auch mit spitzen Metallhaken wird das Tier in dieser Zeit gequält. Dies wird so lange weitergetrieben, bis der Elefant vor Erschöpfung körperlich und mental zusammenbricht. Wer diesen Moment einmal live miterlebt hat, wird das nie wieder vergessen und wer diesen Moment einmal miterlebt hat, wird alles daran setzen, dass die Welt erfährt, was hinter einem Elefantencamp stecken kann.
Im folgenden Video sieht man eine solche Prozedur – ACHTUNG, die Szenen sind nicht’s für schwache Nerven und zeigen die brutale Gewalt, welche Elefanten teilweise erleiden müssen.

Gleichzeitig gilt es zu beachten, das es sehr engagierte Camps gibt, die sich für das Wohl der Elefanten einsetzen.

Ich habe in diesem Jahr meiner Recherche sehr viel gesehen. Ich habe Camps besucht, bei denen ich hätte heulen können, weil es den Elefanten dermassen schlecht ergangen ist. Gleichzeitig habe ich Thara und die Patara Elephant Farm im Chiang Mai kennengelernt. Es gibt sie also durchaus, diese Orte, die man mit ruhigem Gewissen besuchen kann.

Nun habe ich einen 5 Punkte Plan entwickelt, mit dem du einfach und schnell feststellen kannst, ob sich ein Elefantencamp mit ruhigem Gewissen besuchen lässt oder ob man besser darauf verzichten sollte.
Eines vorweg: Wir alle wären am glücklichsten, wenn Elefanten einfach in der Freiheit leben könnten ohne Gefahr zu laufen, dabei auszusterben. Doch danach sieht es derzeit nicht aus – im Gegenteil. Die Liste ist zudem selbstverständlich nicht abschliessend und keine Garantie für das Wohlergehen der Tiere – es sind jedoch wichtige Indikatoren, mit denen du die Chancen minimieren kannst, doch an ein schlechtes Camp zu geraten.

Auf diese Fünf Punkte solltest du vor der Buchung eines Elefantencamps achten:

1) Setzt das Camp bei einem allfälligen Trekking Sitze (Meist aus Metall auf dem Rücken der Elefanten und für zwei Personen geeignet) ein? Hände weg!
Ein Elefant kann viel Gewicht ziehen und stossen, doch beim tragen von Gewicht ist das Tier äusserst sensibel.
Die Anatomie des Elefanten erklärt es sehr gut: Die Wirbelsäule der Tiere hat eine nach oben gerichtete Knochenstruktur. Dadurch ist der Elefant in der Rückenpartie bzgl. Gewicht sehr sensibel. Ein Trekking ist möglich, jedoch sollten Sie darauf achten, das man als Gast auf dem Genick des Elefanten sitzt, welches durch einen Muskel geschützt ist (ähnlich wie bei einem Pferd). Dies ist für Sie als Gast ein um so schöneres Erlebnis, da Sie mit dem Tier in engen Kontakt kommen und nicht nur wie ein doofer Tourist ein wenig auf dem Elefanten umherreiten. Da diese Form des Trekkings eine gewisse Instruktion voraussetzt, werden Sie ein solches Trekking nicht „mal eben schnell“ erleben können.
Hier ein Bild, welches die Anatomie der Elefanten sehr gut erklärt (Quelle: EleWiki):
Anatomie

2) Werden Metallhaken eingesetzt? Meist heisst das nichts gutes für die Tiere!
„Wir nutzen die nur zum Schutze unserer Gäste und nur im Notfall“ – dafür dass diese Haken nur im Notfall genutzt werden fällt erstaunlich oft auf, dass die Mahuts diese Haken stets in der Hand tragen. Sie dienen nämlich noch einem anderen Zweck: Den Elefanten stets zu unterdrücken und Ihm zu zeigen, wer der Boss ist. Stellen Sie sich vor, jemand würde Ihnen stets mit einer Nadel in die Haut piksen, oder mit einem Haken an den Ohren nach unten ziehen. Wenn Sie nicht’s anderes gewohnt sind, akzeptieren Sie irgendwann dieses Verhalten und lassen sich von der Person unterdrücken.
Die Metallhaken befinden sich zu 99% an einem kleinen Holzstock.

3) Der Preis. Es ist klar, das ein Trekking für 50 Franken nicht nachhaltig sein kann und dabei auf eine grosse Masse von Touristen gesetzt werden muss. Der Elefant wird also a) meist zwei Touristen gleichzeitig und b) die grosse Zeit des Tages mit dem umhertragen von Touristen beschäftigt sein. Ein Halbtagestrekking in der Patara Elephant Farm kostet z.B. knapp 160 Franken. Dafür ist der Elefant nur einen halben Tag im Einsatz und pro Gast kommt ein Elefant zum Einsatz. Sitze werden nicht eingesetzt, dafür erhalten Sie eine genaue Instruktion, lernen Ihren Elefanten umfassend kennen etc. etc. – ein umfassendes (Achtung Wortspiel) elefantastisches Erlebnis.

Patara Elephant Farm Jeremy Kunz 3
4) Wie umfassend informiert die Webseite über Elefanten? Ist es den Anbietern wichtig, das Sie etwas über die Tiere lernen? Wenn Sie ein gutes Erlebnis mit den Tieren erleben möchten, sollten Sie die Tiere auch kennen. Deshalb ist es ein guter Indikator, ob ein Camp Sie auch über die Tiere informiert, mit denen Sie ein tolles Erlebnis haben wollen.

5) Arbeitet das Camp mit anerkannten Organisationen zusammen? In Chiang Mai gibt es z.B. ein Elefantencamp, welches mit mehreren Tierschutzorganisationen zusammenarbeitet und von diesen auch mehrfach ausgezeichnet wurde. Das Problem: Das Camp und die Tierschutzorganisationen sind von der selben Person gegründet worden. Volontäre dieses Camp’s berichten, das es im Camp massive Missstände gibt und Youtube Videos zeigen, wie die Mahut’s mit den Elefanten umgehen, sobald keine Besucher zu sehen sind. Ich recherchiere diesbezüglich noch selbst und arbeite gerade einiges an Bildmaterial auf.
Zudem können Sie auch darauf achten, ob das Camp mit einer Universität zusammenarbeitet. In Chiang Mai ist dies z.B. das Elefanteninstitut der Chiang Mai University. Dies bedeutet, dass das Camp Tierärzten und Forschern einen Zugang zu den Tieren ermöglichen.

Zusatztip: Siehst du auf den Bildern des Camp’s das sogenannte „Wunderpuder“? Wunderpuder wird ein Mittel genannt, welches auf wunde Stellen aufgetragen wird um Wunden schnell zu trocknen (meist an Gelenken, auf dem Rücken, an den Ohren und am Kopf), schneller heilen zu lassen und zu vermeiden, das Sie als Gast etwas davon mitbekommen. Doch wenn Sie dieses Vorgehen kennen, können Sie von Beginn an reagieren. Fragen Sie deshalb bei einem spontanen Besuch danach, ob Sie sich die Tiere vorher anschauen können.
Und kann man Aktivitäten wie „Elefanten die Fussball spielen“, „Elefanten malen Bilder“ etc. buchen? Hände weg!

So sollte ein Elefant nicht aussehen:
Elefant Wunderstaub zur Wundheilung
(Foto von mir im Rahmen meiner Recherchen Anfang Jahr in Phuket erstellt)

So sollte es aussehen – Elefanten die sich fast frei in einem Camp bewegen können, die Ihren Nachwuchs grossziehen. Ich habe mittlerweile einen engen Draht zu Thara und Ihrer Mutter aufgebaut und so kann ich mit der kleinen spielen, ohne das die grosse gleich die Beschützerin spielen will ;-)
Patara Elephant Farm 2
Und wie recherchiert man die oben angegebenen Punkte? Schaue einfach auf der Webseite des Anbieters nach, schau dir Bilder der Google Bildersuche an oder wenn Videos auf Youtube existieren, schau dir auch diese an.

Wenn du in Chiang Mai bist, besuche die Patara Elephant Farm – es lohnt sich!

Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle an Amazing Thailand, tourasia, Nikon, Singapore Airlines, Salewa, Gretz Communication, und GoVacation die viel Zeit und Geld in die Vorbereitung sowie Durchführung meiner Asienreise investiert und damit solche Erlebnisse möglich gemacht haben.

14 Comments on this Post

  1. Sehr schöner & aufrüttelnder Artikel. Leider werden Tiere noch viel zu häufig ausgebeutet. was du hier beschreibst trifft ja ebenso auf das häufig angebotene Delphinschwimmen zu.

    Glücklicherweise werden zumindest Deutsche Touristen immer sensibler, sei es durch Beiträge wie deinen, durch TV-Beiträge oder auch weil viele Reiseveranstalter solche Ausflüge aus dem Programm gestrichen haben.

    Wie sieht es in der Schweiz aus? Haben da die RVs solche Ausflüge noch im Angebot?

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    • Hi Ole,

      Delfinschwimmen wird, zumindest vordergründig, von schweizer Reiseveranstaltern so gut wie nicht mehr angeboten. Wie sich die Situation vor Ort darstellt, kann ich nicht beurteilen. Aus dem Bauch heraus würde ich vermuten, das man entsprechende Ausflüge dann halt über das Hotel statt über die Reiseleitung buchen kann…

      Ich habe eine Liste erstellt, welche schweizer Reiseveranstalter mit welchem Elefantencamp in Thailand und Myanmar zusammenarbeiten und habe bisher rund 15 Elefantencamps besucht und werde diese Recherche im Herbst weiterführen. Sobald ich die Liste durch habe, werde ich diese mit einem Experten in Thailand abgleichen und die schweizer Reiseveranstalter mit meinen Eindrücken beliefern und dann schauen, was diese daraus machen.

      Grundsätzlich gilt ja zu sagen: Es gibt solche, welche einen sehr guten Job machen. Doch es gilt die schwarzen Schafe herauszufiltern und hierfür braucht es konsequente Touristen, die dann eben ein Camp auch nicht mehr besuchen. Dies bringt dann jedoch das Camp und damit die Elefanten in Schwierigkeiten und dann muss hierfür eine Lösung bereitstehen. Mit dem „nicht mehr besuchen“ ist dem Tier also leider auch nicht wirklich geholfen – zumindest der aktuellen Generation nicht.

      Liebe Grüsse,
      Jeremy

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  2. Wir sind im Dezember auch in Chiang Mai :-)

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    • Jeremy Kunz

      Liebe Silke, cool bist du im Dezember in Chiang Mai und noch schöner, besuchst du die Patara Elephant Farm – ein absolut einmaliges Erlebnis.
      Unbedingt frühzeitig buchen – die Farm ist i.d.R. auf 2-3 Monate im Voraus ausgebucht.
      Wenn du Tipps für Chiang Mai brauchst, gib Bescheid :-)

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  3. Lieber Jeremy- vielen lieben Dank für deine Antwort!ja ich freue mich sehr-werde es gleich reservieren! Du weißt ja unter Touristikern:Geheimtipps sind immer herzlich willkommen!Hast du einen guten Tipp für einen Tempel,den ich von CNX aus besuchen kann und der nicht so touristisch ist?über was freuen sich die Thais-was kann ich als Mitbringsel mitbringen?liebe Grüße und DANKE

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    • Jeremy Kunz

      Silke, Schoggi :D Total altmodisch aber meine Freunde freuen sich immer sehr darüber :) Und Taschenmesser kommen auch gut an – die kleinen Dinger für 10 Stutz schmelzen auch nicht wie die Schoggi.
      In ländlichen Gegenden hatten die Leute auch total Spass an meinen Postkarten vom Matterhorn :)

      Tempel: Der Wat Phra That Doi Suthep ist zwar kein Insidertipp, aber dennoch ein Besuch wert :) Besonders in den Morgenstunden mit dem Sonnenaufgang über Chiang Mai, ist es ein einmalig schönes Erlebnis.
      Zudem der Wat Umong, einer der ältesten Tempel in Chiang Mai und mit einem wundervollen Tunnelsystem – absolut ein Besuch wert. Wird von den Touris aufgrund des Wat Phra That Doi Suthep links liegen gelassen.

      Doppio Ristr8to ” Latte Art Cafe ” ist auch kein Geheimtipp, aber wenn du mal nen wirklich guten Kaffee brauchst: That’s the Place to be.

      Sehr cool finde ich die Colors of Chiang Mai Bikingtour. Dort habe ich zu Beginn des Jahres “reingeschnuppert” und dabei viel über Chiang Mai gelernt: http://reisewerk.ch/2014/01/biking-guide-in-chiang-mai/

      Ein toller Event in der City ist der Jazz Abend am North Gate. Besonders die Jamm Session am Dienstag hat es mir angetan – die ist wirklich grossartig.
      http://purechiangmai.com/north-gate-jazz-co-op

      Wenn du ein Guide brauchst, ich bin ab Oktober bis ca. Frühling auch wieder (zumindest sehr oft) in Chiang Mai.

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  4. Wie grausam. Ich habe das Video nach 10sekunden abschalten müssen.
    Sehr gut, dass du das Thema hier aufgreifst und die wichtigsten Punkte aufzählst.
    Eine gute Freundin von mir hat auch in einem Elefantencamp gearbeitet und sagte auch, dass sie bei anderen Camps sehr viel schlechtes gesehen hat und man wirklich aufpassen muss.

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  5. Michelle

    Hallo, wir wollten gerne einen Tag mit den Elefanten in der Patara Elephant Farm verbringen. Leider ist es zu unserer Zeit (Mitte November 2014) ausgebucht. Weiß jemand, ob es noch eine Elefantenfarm in der Umgebung von Chiang Mai gibt, die man besuchen kann, wo die Tiere auch frei und gewaltlos gehalten werden (und es nicht so eine touristische Institution ist)?
    LG Michelle

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    • Elephant Special Tours, ist vom deutschen Elefantenpfleger Bodo Förster gegründet und geleitet. Laut Webseiteneindruck artgerecht, kann aber erst nach dem Besuch wirklich grünes Licht geben!

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  6. Christina

    Danke für den tollen Beitrag! Wir haben uns wahnsinnig schwer getan, eine geeignete Tour auszuwählen. da hätten uns deine Tipps viel geholfen. Dennoch glauben wir, dass wir ein relativ gutes Camp gefunden haben – den Elephant Nature Park. da kann man zwar nicht auf den Elefanten reiten – das war aber irgendwie auch ein Punkt, der für dieses Camp spricht. Der „Park“ ist eine Art Auffangstation für misshandelte und verletzte Tiere. Das war eine sehr interessante Erfahrung und man hatte das Gefühl, dass man sich wirklich um die Tiere bemüht, die Tiere sich frei bewegen können und relativ glücklich sind
    Das Camp, das du empfiehlst, klingt auch wirklich toll, falls ich noch einmal herkomme, schau ich da auf jeden Fall hin!

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  1. […] Informationen dazu, wie du Elefanten verantwortungsbewusst besuchen kannst, gibts in diesem Artikel. Mehr von Jeremy auf Facebook, Twitter und […]

  2. By Einmal waschen, schrubben, legen bitte. on Feb 27, 2015 at 11:27

    […] sein. Bevor ich mich für die Patara Elefant Farm entschieden habe, habe ich mich bei Jeremy von Reisewerk.ch durch diverse Artikel gelesen, denn ich wollte nicht den Fehler machen ein Elefantencamp in Chiang […]

  3. By Einmal waschen, schrubben, legen. on Feb 27, 2015 at 11:30

    […] sein. Bevor ich mich für die Patara Elefant Farm entschieden habe, habe ich mich bei Jeremy von Reisewerk.ch durch diverse Artikel gelesen, denn ich wollte nicht den Fehler machen ein Elefantencamp in Chiang […]

  4. […] sein. Bevor ich mich für die Patara Elefant Farm entschieden habe, habe ich mich bei Jeremy von Reisewerk.ch durch diverse Artikel gelesen, denn ich wollte nicht den Fehler machen ein Elefantencamp in Chiang […]

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